Die Mongolei als Vorreiter gegen das Coronavirus

Die Mongolei als Vorreiter gegen das Coronavirus

Apr. 13 2020

Die Mongolei, ein oft mit nomadischer Weideviehwirtschaft assoziiertes postsozialistisches Land, das nun dem „Globalen Süden“ zugeordnet wird, hat Deutschland beim Umgang mit der für uns alle historisch neuen Situation einiges voraus: In diesem demokratischen Nachbarstaat Chinas fielen erste Quarantäne-Entscheidungen präventiv, Bildungseinrichtungen wurden schon Ende Januar geschlossen, und sogleich begann mit multimedial verfügbarem Material der Fernunterricht. Uns als Lehrende und Forschende interessierten zunächst vor allem Erfahrungen im Bildungsbereich, doch Recherchen und Telefoninterviews erbrachten weitere interessante Aspekte zu bemerkenswert konstruktiven Strategien in dieser Krise.

Was kann man von der Mongolei lernen? 

In der Mongolei, die eine 4.700 km lange Grenze zu China aufweist, stand in der aktuellen Krise nie infrage, dass Gesundheit Priorität hat. Unbürokratischer Pragmatismus, Hilfsbereitschaft, Medienkompetenz, Erfahrungswissen, Meinungsfreiheit, Kritikfähigkeit und Humor trugen und tragen dort dazu bei, Maßnahmen zu implementieren und immer wieder flexibel zu reagieren. So hat z.B. das seit Januar im Bildungswesen mit Quarantäne und Fernunterricht gewonnene Know-How, in Kombination mit polyphonen Feedback-Loops, eine konstruktive Fehlerkultur hervorgebracht, die bemerkens- und nachahmenswert ist. Anerkennung verdient ein weiterer Aspekt: Anders als vielerorts, wo jetzt Hilfe unmittelbar vom Staat erwartet wird, ist in der Mongolei seitens der Bevölkerung und vieler Organisationen, Firmen und Geschäftsleute die grundsätzliche Einstellung genau umgekehrt, die meisten Menschen überlegen in erster Linie, wodurch sie selbst einen Beitrag zur Überwindung der Krise leisten können und werden auf vielen Ebenen für die Gesellschaft aktiv.

Seit Beginn der Pandemie gab es in der Mongolei intensive Debatten über Schutzmaßnahmen. Akuter Entscheidungsbedarf bestand im Vorfeld des Neujahrfestes. Mit Blick auf die Lage in China wurden Besuchsreisen verboten, sowie jenseits der Kernfamilie alle traditionellen Begrüßungszeremonien, bei denen Jüngere Älteren mit vorgestreckten Unterarmen symbolisch Respekt erweisen. Allerdings gab es innerhalb vieler Familien Streit darüber, ob in Wahrung der mongolischen Traditionen die Neujahrsbegrüßung nicht doch in gewohnter Manier stattfinden sollte:Um der Bedeutung des Festes trotz Ansteckungsgefahr gerecht zu werden, riefen Medienkampagnen dazu auf, die Feiertage daheim zu verbringen und Technologien zu nutzen, um Neujahrsgrüße auszutauschen. Jüngere wurden aufgefordert, als Kommunikatoren zu fungieren und die Alten dabei zu unterstützen, mit elektronischen Mitteln zu kommunizieren. Zur Umsetzung der Quarantäne wurden Überlandstraßen und öffentlichen Verkehrsmittel vorübergehend gesperrt, und nach dem Corona-frei verlaufenen Neujahr etablierten buddhistische Klöster mobile Apps, damit Gläubige religiöse Dienstleistungen aus räumlicher Distanz wahrnehmen können. Alle Feiertage im März (Internationaler Frauentag, Vatertag sowie das kasachische Frühlingsfest Nauryz) wurden weit vorausschauend abgesagt.

Nachricht hinterlassen

Ihre Email-Adress wird nicht veröffentlicht
Kommentar *
Name *
E-Mail Adresse *
Ariane Frank
13 April 2020
Wie sind denn die Aussichten für Ein- und Ausreisen welche schon für Juni geplant sind? Meine Ausreise aus China wurde bereits von dort abgesagt, sodass ich auch gar nicht erst von der Mongolei dorthin weiterreisen werde. Meine Einreise würde aus Russland mit der Bahn erfolgen, ich glaube auch das ist zur Zeit nicht möglich. Nun überlege ich alles ins nächste Jahr zu verschieben, dafür gibt es aber noch keine Angebote. Ich bin daher etwas ratlos, wie ich mich verhalte und denke es geht andern Reisenden ähnlich. Vg Ariane
Amarjargal Bombishverified
23 April 2020
Liebe Ariane, danke für Deinen Kommentar. Derzeit gibt es 35 erkrankte, davon 8 Personen genesen, in der Mongolei. Und wir alle schauen, wie sich die Lade der Pandemie entwickelt. Sobald wir den Reiseplan von 2021 erledigen, werden gleich Dir mitteilen. LG Amarjargal
antworten
Kommentar *
Name *
E-Mail Adresse *

Hallo

Ich bin Amarjargal von "Horseback Mongolia". Kontaktieren Sie uns, und wir melden uns Sie innerhalb von 48 Stunden.
Telefonnummer
+(976)-11-331 098